Die Haselmaus – kleine Akrobatin der Nacht

Mit ihrem kleinen Schnäuzchen ist die Haselmaus die kleinste Vertreterin der in der Schweiz heimischen Schläfer.

Zu dieser Familie gehören auch der Siebenschläfer und der Gartenschläfer. Der Muscardinus avellanarius wird sechs bis neun Zentimeter gross, hat einen fast ebenso langen Schwanz, wiegt maximal 40 Gramm und kann bis zu fünf Jahre alt werden. Das kleine orange-braune Fellknäuel hat runde, kurze Ohren, grosse schwarze Augen und einen buschigen Schwanz – und ist daher ausgesprochen fotogen.

Die unauffällige Akrobatin ist vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv und sehr geschickt im Klettern. Ihr kugelrundes Nest mit einem Durchmesser von etwa 12 cm baut sie aus Gräsern, Blättern und Zweigen im Gebüsch, im Geäst und manchmal sogar in Nistkästen.

Frühlingserwachen

Die Haselmaus kommt im Gebiet des Naturparks Chasseral vor, ist in der Schweiz aber auch weiter verbreitet – im Mittelland, im Jura und in den Niederungen der Alpentäler. Sie hält sich in vielfältiger Waldvegetation, an naturnahen Waldrändern, in dichtem Unterholz, in Hecken und Gebüsch sowie in Gebieten mit vielen Haselnuss- und Beerensträuchern auf. Haselmäuse können sich auch an Siedlungsrändern ansiedeln, sofern diese durch Hecken, Sträucher oder Bäume eine direkte Verbindung zum Wald haben.

Nach mehreren Monaten des Winterschlafs wird die Haselmaus im Frühjahr wieder aktiv. Dann beginnt sie, das Geäst zu erkunden und nach Nahrung zu suchen. Gleichzeitig bereitet sie sich auf die Fortpflanzung vor – diese findet von April bis September statt und umfasst ein bis zwei Würfe mit drei bis fünf Jungen. Im Sommer wechselt die Haselmaus manchmal ihr Nest, um sich in Ästen niederzulassen – dann ist es noch schwieriger, sie zu beobachten. Obwohl sie ausgezeichnet klettert, ist sie angreifbar, sobald sie auf den Boden hinabsteigt.

In der Schweiz ist die Haselmaus als verletzlich eingestuft. Die geschützte Art ist zwar selten, aber dennoch weit verbreitet. Der Verlust und die Zerstückelung ihrer Lebensräume schränken den Bewegungsraum der Haselmaus stark ein. Zu ihren Hauptfeinden zählen Eulen, Füchse, Marder, Wiesel und Wildkatzen.

Die Haselmaus willkommen heissen

Damit sich die Haselmaus ungehindert fortbewegen und Nahrung sowie Unterschlupf finden kann, ist es wichtig, Hecken und Unterholz miteinander zu verbinden. Im Garten kann man sie unterstützen, indem man einheimische Beerensträucher pflanzt und einige Brombeersträucher stehen lässt, die sie als Versteck nutzen kann. Ein Nistkasten an einem gut besonnten, dicht bewachsenen Platz bei einer Hecke oder ein paar Bäumen bietet ihr zusätzlichen Schutz.

Eine überraschende Entdeckung

Die vier Pfoten der Haselmaus, die mit beweglichen «Daumen» ausgestattet sind, sehen aus wie kleine Hände. Mit diesen kann sie sich zwischen Dornen festhalten und geschickt klettern. An den charakteristisch durchlöcherten Haselnüssen erkennt man sofort, wenn eine Haselmaus am Werk war.

Lange dachte man, dass es in der Schweiz nur eine einzige Haselmausart gibt. Doch im Jahr 2022 brachten genetische Analysen eine Überraschung zutage: In Wirklichkeit existieren zwei verschiedene Haselmausarten. Die westliche Haselmaus lebt eher im Westen des Landes, während die östliche Hasenmaus eher im Osten zu Hause ist. Die beiden Arten ähneln sich so sehr, dass sie mit blossem Auge kaum zu unterscheiden sind. Durch diese Entdeckung wurde die Haselmaus zur 100. offiziell identifizierten Säugetierart der Schweiz.

 

Quelle / weitere Informationen:

·         https://www.pronatura.ch/de/nussjagd

·         https://www.nosvoisinssauvages.ch/portraits-d-especes/muscardin

·         https://museumlab-geneve.ch/2023/08/30/la-100e-espece-de-mammifere-se-cachait-derriere-des-noisettes/

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