Der Hausspatz – alles andere als banal

Der Haussperling (Passer domesticus) ist ein kleiner Federball, den wir gut kennen. Oft sieht man ihn um unseren Sitzplatz oder auf einem Dach zwitschernd. Er scheint aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken zu sein. Wir halten ihn für banal, allgegenwärtig und fast schon zu laut. Aber dieser gesellige, sesshafte und eng mit dem Menschen verbundene Vogel ist auch ein wertvoller Botschafter der Artenvielfalt, die uns umgibt. Und obwohl er in Gärten noch häufig anzutreffen ist, verdient seine Anwesenheit heute unsere volle Aufmerksamkeit.

Der Haussperling verfügt über eine kompakte, gedrungene Haltung, einen breiten Kopf und einen kräftigen Schnabel. Oft ist sein Gefieder etwas zerzaust. Das Männchen hat ein schwarzes Kehl- und Brustfleckchen, einen schokoladenbraunen Rücken und einen aschgrauen Scheitel. Das Weibchen ist unauffälliger, hat ein mattbraunes Gefieder ohne Kehlfleckchen und eine helle Augenbraue hinter dem Auge. Das bekannte, laute Zwitschern und Piepen prägt das soziale Leben der Spatzen. In lockeren Kolonien fressen, putzen und ruhen sie gemeinsam. Bei Einbruch der Dämmerung versammeln sie sich in lärmenden Schlafgemeinschaften und kuscheln sich eng aneinander.

Eine Vogelart, die seit 12'000 Jahren mit dem Menschen verbunden ist

Im Naturpark Chasseral und seiner Umgebung ist der Hausspatz in Dörfern, Weilern und bei abgelegenen Bauernhöfen anzutreffen. Er ist stark von Gebäuden und offenen Lebensräumen in deren Umgebung abhängig. Er nistet in Dachhöhlen, altem Gemäuer oder begrünten Fassaden und hält sich gerne in Gärten, Obsthainen, Hecken, auf Komposthaufen oder auch Misthaufen auf. Kurz gesagt, unsere ländlichen Dörfer haben ihm noch einiges zu bieten. Aber Vorsicht: Bei zu glatten Fassaden oder top renovierten Gebäuden kommt unser Spatz in Wohnungsnot! Opportunistisch und intelligent, lebt er seit über 12'000 Jahren in enger Nachbarschaft mit dem Menschen. Er hat sogar gelernt, automatische Ladentüren zu öffnen – und sich so selbst zum Buffet einzuladen.

Opportunistisches Nisten und vielseitige Ernährung

Die Paarungszeit beginnt im März. Mehrere Männchen können dasselbe Weibchen mit lautstarken Balzritualen umwerben – mit erhobenem Schnabel, halbgeöffneten Flügeln und aufgerichtetem Schwanz. Sobald sich ein Paar gefunden hat, wird das Nest in einer Höhle gebaut – oft unter einem Dach oder in einer Felsspalte, manchmal sogar in einer Strassenlaterne. Das grosse, lockere Nest besteht aus Gräsern, Wurzelwerk, Federn und manchmal auch Tierhaaren.  Als Opportunist kann der Spatz auch das Nest einer Mehlschwalbe in Besitz nehmen und zögert nicht, allfällige Bewohner daraus zu vertreiben.

Als Allesfresser ernährt sich der erwachsene Spatz hauptsächlich von Samen und Speiseresten sowie in geringerem Masse von kleinen wirbellosen Tieren. Um seine Jungen zu ernähren, benötigt er jedoch Insekten wie Schnaken, Raupen, Spinnen oder Blattläuse, die er im Flug oder auf Pflanzen fängt. Aufgrund seiner abwechslungsreichen Ernährung gilt er einerseits als nützlich, da er bestimmte Insekten reguliert, andererseits ist er aber auch unerwünscht, wenn er sich an Saatgut oder jungen Früchten gütlich tut.

Ein Indikator für unsere Umwelt

Der Hausspatz gilt als alltäglich. Doch in bestimmten Gebieten ist er immer seltener anzutreffen. Sein Rückgang lässt sich durch den Mangel an Nistmöglichkeiten erklären – eine direkte Folge von Renovationen und modernen Gebäuden mit glatten Fassaden. Zudem findet er weniger leicht Nahrung, die seinen Bedürfnissen entspricht – insbesondere während der Fütterungszeit der Jungvögel, in der er auf Insekten angewiesen ist. Auch Katzen stellen eine nicht zu unterschätzende Bedrohung dar, insbesondere für Jungvögel.

Der Haussperling lebt mit uns in direkter Nachbarschaft. Er spiegelt die Qualität unserer bebauten Umwelt und der umgebenden Grünflächen wider. Somit ist er ein wertvoller Indikator für die lokale Artenvielfalt und die Aufmerksamkeit, die wir der Natur in unserem Alltag widmen.

Bereits einfache Massnahmen können einen echten Unterschied ausmachen. Damit die Spatzen auch nach einer Renovation an unseren Gebäuden nisten können, können wir vorhandene Hohlräume erhalten oder geeignete Nistkästen anbringen. Begrünte Fassaden, Hecken aus einheimischen Sträuchern sowie Blumenwiesen bieten ihnen Schutz, Nahrung und Ruheplätze. All dies sind Massnahmen, die der Naturpark Chasseral sowohl auf Gemeindeebene als auch bei den Einwohnerinnen und Einwohnern fördert. Wenn wir mehr Natur in die Bebauungen und Gärten bringen, helfen wir damit den Spatzen und einer ganzen Reihe von unauffälligen, aber sehr wertvollen Tierarten.

Nicht zu verwechseln mit dem Feldsperling

Der ebenfalls im Naturpark vorkommende Feldsperling (Passer montanus) ähnelt ihm, ist jedoch unauffälliger und scheuer. Dieser hält sich zwar manchmal im selben Lebensraum auf, unterscheidet sich jedoch durch einen vollständig schokoladenbraunen Scheitel und einen deutlichen schwarzen Wangenfleck. Diese Merkmale sind bei Männchen und Weibchen gleichermassen vorhanden – ihr Gefieder ist identisch.

Weitere Informationen über diese Vogelart finden Sie auf der Website der Vogelwarte:

https://www.vogelwarte.ch/de/voegel-der-schweiz/haussperling/

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